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THIS IS NOT A TEST 28. Mai 2005 - , open air am General Panel Display: meine Garage, Augustusplatz
Panel I Ein öffentliches Kurz-Symposium
Zu den magischen Kanälen zwischen Musik, Kunst, Film und urbanen Bewegungen
»Erstens sind es nicht wir alle / Zweitens ist es nur ein Tag / Und zwar liegt nur auf der Wiese / was sonst auf der Straße lag«, singen 4000 Fichte-Sportler und mehrere Arbeiterchöre am Ende des Films »Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt«, zu dem Bertolt Brecht 1931 das Drehbuch und Hanns Eisler die Musik geschrieben hat. Der Film, der sofort nach seinem Erscheinen von der Filmprüfstelle Berlin zensiert wurde und erst nach heftigen Protesten eine Freigabe erhielt, zeigt in seinem letzten Drittel, wie eigene Produktivität, Aktivität und Kreativität die Arbeitersportbewegung in den 20er Jahren zu einer wichtigen politischen Kraft machten. Für das Kurz-Symposium, das die überraschenden Verbindungen zwischen Musik, Kunst, Medien und urbanen Bewegungen in der Gegenwart vorstellt und erörtert, dient »Kuhle Wampe« als historischer Bezugspunkt. Die Beiträge thematisieren, welche produktiven Verbindungen Musik, Kunst und Film mit emanzipativen und politisch relevanten städtischen Bewegungen eingehen können. Vorgestellt wird u. a., wie Rosemarie Trockels Videofilm »Manus Spleen II« den Anstoß gab, dass sich 2002 Proteste gegen den Abriss des Kölner Haubrich-Forums organisierten, und wie das mobile Agit-Prop-Kommando »Schwabinggrad Ballett«, ein offenes Kollektiv Hamburger AktivistInnen und MusikerInnen, öffentliche Plätze bespielt, um Verwirrung zu stiften, zu politisieren, zu reaktivieren.
General Panel Kurz-Symposium am 28. Mai 05, ab 16.30 Uhr
> Samstag, 28. Mai, 16.30 bis 21.30 Uhr
> Bis 18.00 Uhr Open Air am General Panel Display: meine Garage, Augustusplatz; anschließend im Protest Academy space am Brühl 74
> Bei schlechtem Wetter im Protest Academy space am Brühl 74, 01049 Leipzig
++++ PROGRAMM ++++
16.30 Uhr – Einleitung von Jan Wenzel, General Panel
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16.45 Uhr – Vortrag von Martin Conrads: Den Netzaktivismus auf die Straße tragen
Öffentlichkeit erscheint heutzutage vor allem medial vermittelt. Insbesondere das Internet, das sowohl als das Medium der Globalisierung gilt wie auch als taktisches Instrument der Globalisierungskritik steht im Mittelpunkt des Vortrags des Berliner Autors Martin Conrads. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf netzaktivistischen Praktiken, die ein Aufeinanderwirken von Netz und Straße ermöglichen: Aktionen, die online geplant und organisiert, on site ausgeführt und wiederum online dokumentiert werden, bei denen sich virtueller und realer Raum in der Ausübung politischen "Widerstands" gegenseitig ergänzen.
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17.15 Uhr – Vortrag von Paula Roush: Protest Academy Leipzig
Die Londoner Künstlerin Paula Roush stellt das Projekt »Protest Academy Leipzig« vor, bei dem sie vom 21.05.-27.05.05 zusammen mit LeipzigerInnen lokale und globale Protestformate gesammelt und analysiert hat, um sie an signifikanten Orten Leipzigs zu testen. In der Art eines Workshops wurde der Frage nach den Möglichkeiten von Protest im städtischen Raum nachgegangen. Die Aktionen der Protest Academy griffen mal gezielt, mal beiläufig in den städtischen Alltag von Arbeit und Konsum ein und öffnen einen gedanklichen Rahmen, der es zulässt, über Protesterinnerungen, utopische Ideen und die Notwendigkeit von Kritik nachzudenken.
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18.00 Uhr – Filmvorführung: Rosemarie Trockel, »Manus Spleen 2«, 2002
Im Februar 2002 drehte die Künstlerin Rosemarie Trockel vor dem Josef-Haubrich-Forum in Köln das Video »Manus Spleen 2«. Im Stil eines Dokumentarfilms nahm sie eine Demonstration gegen den bevorstehenden Abriss des Haubrich-Forums auf. Der Schauspieler Udo Kier verlas eine Protestresolution. Zu dem Gebäudekomplex aus den 60er Jahren, der von der Stadtverwaltung für den Abriss vorgesehen war, gehörte neben der Volkshochschule auch der Kunstverein und die Kunsthalle – zwei legendäre Schauplätze für die Kunstmetropole Köln. Der inszenierte Protest erzeugte vor Ort ganz reale Effekte. Durch ihn bildete sich eine Initiative gegen den Abriss der Kunsthalle, später ging daraus der Loch e. V. hervor, der inzwischen die Gründung einer Europäischen Kunsthalle in Köln betreibt. Der Kurator Nicolaus Schafhausen wurde gerade als ihr Gründungsdirektor berufen.
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18.15 Uhr – Filmvorführung: Paul Garrin, »Man with a Video Camera (Fuck Vertov)«, 1989
Für den New Yorker Medienkünstler Paul Garrin ist die Frage nach der Verbindung von Kunst und Leben und der Wunsch, der Kunst eine gesellschaftliche Wirksamkeit zu erhalten, zentrales Thema und Anliegen. Er ist nie ohne seine Video-8-Kamera unterwegs, immer bereit, die Live-Situation, die ihm begegnet und interessant erscheint, aufzuzeichnen. Der Computer/die Paintbox ist für ihn das Hilfsmittel, das Dokumentarmaterial zu verdichten, zu verfremden und zu überzeichnen, woraus seine unverwechselbare Form der elektronischen Collage entsteht. »Man with a Video Camera (Fuck Vertov)« besteht aus Medienberichten, Politikerstatements, eigenen Aufnahmen eine Verdichtung der Straßenschlachten am Tompkins Square. Videodok der Camcorder-Revolution, die es bis in die nationalen TV-News brachte.
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18.30 Uhr – Vortrag von Michael Arzt, Initiative gegen Leipziger Kameras
Vorgestellt werden die verschiedenen Aktivitäten der Initiative, die versucht, Protest gegen Videoüberwachung und soziale Ausgrenzung in der Leipziger City zu organisieren. Im Sommer 2003 hat sie einen Stadtplan mit fast 700 Überwachungskameras recherchiert und ins Internet gestellt. 2004 klärte die Initiative in Vorträgen, Artikeln sowie ihrer Stadtführung "Video- und andere Überwachungen. Auf den Spuren unserer Daten in der neoliberalen Stadt" über aktuelle Entwicklungen und die Leipziger Hintergründe auf. 2005 begann sie, mit der Sendung "Raumpatrouillien. Erkundungen im Dataspace" das Radio zu nutzen und den Stadtrundgang zu vertonen. (www.leipziger-kamera.cjb.net)
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19.30 Uhr – Filmvorführung: Silke Wagner, »Bürgersteig«, 2001/2004
Ein Projekt in Zusammenarbeit mit www.aktion-fluchtwagen.de Münster, der Unabhängigen Antifa Aktiv Essen und kein mensch ist illegal Hanau
Das Projekt »Bürgersteig« von Silke Wagner wurde über einen Zeitraum von einem Jahr in drei deutschen Städten realisiert. Anfang 2001 kaufte sie einen VW-Bus, der in Zusammenarbeit mit den jeweiligen ortsansässigen gesellschaftspolitisch arbeitenden Gruppen eingesetzt wurde. Der von jeder Gruppe individuell gestaltete Bus diente als mobiler Informationsstand, als Transport- und Projektwagen.
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19.45 Uhr – Vortrag von Eva Hertzsch und Adam Page: INFO OFFSPRING Dresden, 2000–2004
Eva Hertzsch und Adam Page haben das mobile »General Panel Display: meine Garage« konzipiert, das zurzeit auf dem Augustusplatz steht und u. a. dem Symposium als Veranstaltungsort dient. In ihrem Vortrag stellen sie den INFO OFFSPRING-Kiosk vor, der zwischen 2000 und 2004 an verschiedenen Plätzen in Dresden aufgestellt war. Der Kiosk war informeller Umschlagplatz für heterogene und kurzlebige Information: Politik, Unterhaltung und Propaganda und Link in Auseinandersetzungen jenseits des Lokalen. Die formale Erscheinung von INFO OFFSPRING als mobiler Container bezieht sich auf einen zeitgenössischen städtebaulichen Zusammenhang. In einer Zeit, in der viele europäische Städte einer Säuberung ihres innerstädtischen Images unterzogen werden, wird auch die Kioskkultur aus Dresdens Innenstadt langsam verdrängt. Als mobiles Gebäude steht INFO OFFSPRING dieser Entwicklung entgegen, integriert sich und polarisiert wechselnde urbane Zusammenhänge.
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20.30 Uhr – Filmvorführung: Dudow/Brecht/Eisler, »Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?« 1932
»Erstens sind es nicht wir alle / Zweitens ist es nur ein Tag / Und zwar liegt nur auf der Wiese / was sonst auf der Straße lag«, singen 4000 Fichte-Sportler und mehrere Arbeiterchöre am Ende des Films »Kuhle Wampe«, zu dem Bertolt Brecht das Drehbuch und Hanns Eisler die Musik geschrieben hat. Der Film, der sofort nach seinem Erscheinen von der Filmprüfstelle Berlin zensiert wurde und erst nach heftigen Protesten eine Freigabe erhielt, zeigt in seinem letzten Drittel, wie eigene Produktivität, Aktivität und Kreativität die Arbeitersportbewegung in den 20er Jahren zu einer wichtigen politischen Kraft machten. Für unser Panel, das überraschende Verbindungen zwischen Kunst, Medien und urbanen Bewegungen in der Gegenwart erörtern will, dient der Film als historischer Bezugspunkt.
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